Posts Tagged ‘integration’

Inklusive Pädagogik – Begriffsklärung

23. Oktober 2009

Andreas Hinz hat in der ZfH im Mai mal wieder eine Begriffsklärung oder Standortbestimmung von Inklusion versucht. Überraschenderweise diesmal nicht in tabellenform, dafür in Thesen. Dabei bringt er einige Beispiele, wie die sonderpädagogische Arbeit in Zukunft aussehen kann.  Problematisch ist aus seiner Sicht, die „Sonderpädagogisierung“ des Inklusionsbegriffes.

  • Weil Inklusion sich der Heterogenität von Gruppen und der Vielfalt von Personen zuwendet. Heterogenität kann sich z.B. beziehen auf: Fähigkeiten, Geschlechterrollen, ethnische Herkünfte, Nationalitäten, Muttersprachen, soziale Milieus, Religionen, Weltanschauungen, körperliche Behinderungen usw.
    Damit soll deutlich werden: Behinderung ist nur ein Aspekt von Behinderung. So wird er aber kaum benutzt.
  • Mit dem weiten Inklusionsbegriff rücken ganz allgemein Menschen in den Blickpunkt die mit Lernbarrieren konfrontiert sind. Drei Barrieren sind für Hinz bedeutsam: armutsbedingte, kulturelle Vorurteile, und die Konsequenz daraus, der institutionelle Ausscluss.
  • Inklusive Pädagogik unter sonderpädagogischen Aspekten bemüht sich mit Blick auf diese Barrieren um ein schulisches Unterstützungssystem, mit dem der Heterogenität besser entsprochen werden kann.

Jakob-Muth-Preis

9. September 2009

Schön, dass es einen Preis für inklusive Schulen gibt. Sehr schön finde ich auch, dass dieser Preis „Jakob-Muth-Preis“ heißt. Seine 10 Thesen zur Integration in der VHN 1991 waren in meinem Studium ein Schlüsseltext

Leider finde ich diesen Text nicht online. Daher nur mal kurz die thesen aus diesem kleinen Text zitiert/paraphrasiert:

  1. „Integration ist ein Grundrecht im Zusammenleben der Menschen, das wir als Gemeinsamkeit aller zum Ausdruck bringen.“
    „Wer Kinder und Jugendliche in verschiedenen Schulformen und Schultypen trennt, wird Probleme haben, sie im Erwachsenenalter wieder zusammenzuführen.“
  2. „Integration beginnt in der Französischen Revolution als Demokratisierungsprozess.“
    Demokratien sind gerichtet auf das humane Miteinander und implizieren „den Abbau von Vorrechten einzelner sozialer Gruppen oder Schichten aber auch (…) die brüderliche Verbundenheit aller.“
  3. „Integration ist unteilbar. Sie lässt keine Ausnahmen zu.“
  4. „Integration als Gemeinsamkeit aller ist die Norm, die, weil sie Norm ist, nicht begründet werden muss.“ Abweichungen bedürfen der Begründung.
  5. „Integration sperrt sich gegen eine Defizitorientierung der Schule“
  6. „Integration kann nicht durch Schulversuche begründet werden“. Wohl aber kann die Praxis durch Schulversuche untersucht werden.
  7. „Integration verträgt sich nicht mit dem Sonderschulaufnahmeverfahren“, weil es von einem Klassendurchschnitt und Frontalunterricht her gedacht wird und nicht von individuellen Förderbedürfnissen.
  8. Integration braucht Regelungen hinsichtlich: Klassengröße, Verhältnis behinderter und nicht behinderter Schüler, Teamteaching …
  9. „Integration als Gemeinsamkeit von Behinderten und Nichtbehinderten will gelebt sein.“ Entwicklung eines integrativen Bewusstseins, kein Widerspruchsrecht von Eltern nichtbehinderter Kinder, freie Schulwahl für Eltern
  10. Grundrechte des Grundgesetzes auf Menschen mit Behinderung umformulieren (in Anlehnung an Wocken)

Nicht alle Thesen würde man heute noch so stehen lassen, aber einige sind immer noch, jedenfalls für mich, von zentraler Bedeutung.

Elternratgeber Integration

3. August 2009

Auf den Seiten der Beauftragten der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen ist ein Elternratgeber erschienen, der Eltern bei der integrativen Beschulung ihrer Kinder unterstützen soll. Er ist in einen kleinen Teil A mit allgemeinen Informationen zum Gemeinsamen Unterricht und einen großen Teil B mit Informationen zu jedem Bundesland versehen. Scheint auf den ersten Blick sehr informativ zu sein.

Behindertenbericht

15. Juli 2009

So, da ist der neue „Bericht zur Lage von Menschen mit Behinderungen und die Entwicklung ihrer Teilhabe“ herausgekommen. Er stimmt nicht gerade optimistisch, denn gegen den Trend sind in den letzten Jahren die Hartz IV-Empfänger in dieser Zeit wohl gestiegen.

Die Taz gibt einen ersten Eindruck:

Immer mehr Behinderte auf Hartz IV

Spannend ist das vor allem deshalb, weil gerade doch ziemliche Anstrenungen unternommen werden, Menschen mit geistiger Behinderung in den freien Arbeitsmarkt zu integrieren, weil sich die Kostenträger davon Entlastung versprechen.

Update: in anderen Stellungnahmen wird vor allem die mangelnde schulische Integration kritisiert und das Förderschüler kaum die Möglichkeit haben, einen Hauptschulabschluss zu machen.

Stellungnahme AWO

Stellungnahme Sozialverband Deutschlands

Stellungnahme VdK