Posts Tagged ‘rezension’

Inklusive Pädagogik – Begriffsklärung

23. Oktober 2009

Andreas Hinz hat in der ZfH im Mai mal wieder eine Begriffsklärung oder Standortbestimmung von Inklusion versucht. Überraschenderweise diesmal nicht in tabellenform, dafür in Thesen. Dabei bringt er einige Beispiele, wie die sonderpädagogische Arbeit in Zukunft aussehen kann.  Problematisch ist aus seiner Sicht, die „Sonderpädagogisierung“ des Inklusionsbegriffes.

  • Weil Inklusion sich der Heterogenität von Gruppen und der Vielfalt von Personen zuwendet. Heterogenität kann sich z.B. beziehen auf: Fähigkeiten, Geschlechterrollen, ethnische Herkünfte, Nationalitäten, Muttersprachen, soziale Milieus, Religionen, Weltanschauungen, körperliche Behinderungen usw.
    Damit soll deutlich werden: Behinderung ist nur ein Aspekt von Behinderung. So wird er aber kaum benutzt.
  • Mit dem weiten Inklusionsbegriff rücken ganz allgemein Menschen in den Blickpunkt die mit Lernbarrieren konfrontiert sind. Drei Barrieren sind für Hinz bedeutsam: armutsbedingte, kulturelle Vorurteile, und die Konsequenz daraus, der institutionelle Ausscluss.
  • Inklusive Pädagogik unter sonderpädagogischen Aspekten bemüht sich mit Blick auf diese Barrieren um ein schulisches Unterstützungssystem, mit dem der Heterogenität besser entsprochen werden kann.

Nuhr Widersprüche

25. Juli 2009

Ich mag Nuhr, insbesondere auch seine Themenauswahl, wie Philosophie, Hirnforschung. Und eigentlich sollte hier zu letzterem jetzt ein Beispiel von youtube folgen, aber das Video ist rausgenommen worden.

Vielleicht deswegen habe ich sein Buch „Gibt es intelligentes Leben“ geschenkt bekommen. Neben einigen guten Sachen, von denen das eine oder andere vielleicht in einem anderen Blogeintrag aufgegriffen wird, empfinde ich es als Widerspruch, wie er den Kapitalismus beschreibt bzw. einordnet (Und diese Beschreibungen sind in meinen Augen nicht ironisch gebrochen in der Hinsicht, dass sie das Gegenteil meinen):

Wir sollten den Kapitalismus gestalten, anstatt über Alternativen nachzudenken, die dann in Burma enden (159)

Und warum ist das so? Der Kapitalismus ist urtümlich menschliches Verhalten oder:

Der Kapitalismus ist ein menschliches Urverhalten – und steht als solches nicht zur Disposition (158)

Gerade weil er oft philosophisches Kabarett macht, finde ich es schade, dass er hier einen naturalistischen Fehlschluss begeht. Aus einer Ist-Situation (über die man immer noch streiten könnte, aber brauchts hier gar nicht) leitet er mal einfach einen gewünschten Soll-Zustand ab.

Nuhr widerspricht sich m.E. aber auch selber, denn in seinem Kapitel über Natur feiert er die Kultur oder Künstlichkeit des Menschens:

Seit der Mensch unnatürlich lebt, hat sich seine Lebenszeit vervielfacht. Natürlichkeit führt zu frühem Tod und Parasitenbefall. Wir leben besser in der Künstlichkeit (144f).

Etwas natürliches muss nicht immer etwas Gutes sein (146)

Schade, gerade weil Nuhr in seinen Beobachtungen und Urteilen sonst meist präzise und scharfsinnig ist.